Als Kardinal Josef Ratzinger am l9. April d.J. zum Papst
gewählt wurde, gab er bekannt, daß er als Papst den Namen Benedikt
XVI. für sich ausgewählt habe, und zwar aus zwei Gründen:
erstens zur Verehrung des Papstes Benedikt XV., der die Kirche während
der schweren Zeit des Ersten Weltkriegs und des Wiederaufbaus danach leiten
mußte (1914-22) und wie ein mutiger „Prophet des Friedens“ versuchte,
Versöhnung und Harmonie unter den Menschen und Völkern zu stiften;
und zweitens zur Verehrung des hl. Benedikt von Nursia (um 480-547), der
den „Vater des abendländischen Mönchtums“ genannt
wird und --- zusammen mit dem hl. Cyrill und dem hl. Methodius --- als
Patron von Europa verehrt wird, weil er und der von ihm gegründete
Benediktinerorden einen großartigen und entscheidenden Einfluß auf
die Verbreitung des Mönchtums und des Christentums in Europa gehabt
hat. In seiner ersten Generalaudienz am 27. April erwähnte Papst Benedikt
XVI., daß der hl. Benedikt in Deutschland und insbesondere in seinem
Heimatland Bayern sehr verehrt wird und einen grundsätzlichen Beleg
für die Einheit Europas und für die grundlegenden christlichen
Wurzeln europäischer Kultur und Zivilisation darstellt.
Es folgen eine kurze Lebensbeschreibung des hl. Benedikt (dessen Gedenktag
am 11. Juli gefeiert wird) und das Tagesgebet von seinem Gedenktag (vgl.
Das Meßbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes [Kleinausgabe
1976], S. 719):
Zu Nursia in Umbrien (einer Region in Mittelitalien nordöstlich
von Rom) um 480 geboren, wurde Benedikt in Rom erzogen, begann jedoch,
um der sittenlosen Stadt zu entfliehen, bei Subiaco (zirka 35 Meilen östlich
von Rom) ein Einsiedlerleben zu führen. Nach einigen Jahren
strenger Buße leitete er eine Anzahl von kleinen Klöstern.
Schließlich gründete er im Jahre 529 das berühmte
Kloster Montecassino (zirka 70 Meilen südöstlich von Rom),
die Wiege des Benediktinertums und der Grundstein für das abendländische
Mönchtum. Dort schrieb er seine Klosterregel. Die aus dieser
Regel des hl. Benedikt sprechende väterliche Persönlichkeit
und Weisheit zog damals und bis heute viele Jünger an. Die Mönche
des Benediktinerordens leben nach der Grundregel, die auch für
uns ein Anruf sein kann: ora et labora, bete und arbeite! Der hl.
Benedikt ist am 21. März um 547 in Montecassino gestorben und
dort begraben. Seit dem 8. Jahrhundert wird sein Gedenktag am 11.
Juli (Festtag der Translation seiner Reliquien) gefeiert.
Allmächtiger Gott,
du hast uns im heiligen Benedikt
einen Meister und Lehrer geschenkt,
der uns anleitet,
dich zu suchen und dir zu dienen.
Gib, daß wir der Liebe zu dir nichts vorziehen,
sondern voll Freude und Zuversicht
auf dem Weg deiner Gebote dir entgegeneilen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
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